Was die Bahn bei einem Zugausfall tut

Einen Zugausfall ist ein großes, negatives Ereignis nicht nur für die Fahrgäste, sondern auch für jedes Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen. Und so sind, vergleichbar wie bei Verspätungen, viele Menschen damit beschäftigt, derartige Ereignisse zu vermeiden oder – falls das nicht möglich ist – zumindest die Folgen für die Fahrgäste abzumildern.

Information der Fahrgäste

Das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen ist dafür verantwortlich, die Informationen über einen Zugausfall und die Alternativen an seine Kundinnen und Kunden zu bringen. Dies geschieht auf den bereits bekannten (digitalen) Kanälen mit Echtzeitanbindung.

Zugausfälle und Fahrtalternativen werden beispielsweise so kommuniziert:

  • In den Fahrtverbindungen der Reiseauskunft erscheinen bei Zugausfällen besondere Fahrthinweise, verbunden mit einem Warnsymbol.
  • Die Deutsche Bahn stellt über die DB-Fahrplanauskunft auch die Angabe aktueller Fahrtalternativen zur Verfügung, in denen die tatsächliche Betriebslage abgebildet ist und nicht nur der Plan.
  • Diese Hinweise erscheinen in den zugbezogenen Fahrtinformationen für den gesamten Zugverlauf und in den Abfahrtstafeln jedes ursprünglich geplanten Halts.
  • Durchsagen in den Zügen und Fließtexte auf den Monitoren in allen Unterwegsbahnhöfen weisen ebenfalls auf diese besondere Situation hin und es werden Alternativen genannt.

Folgen des Zugausfalls minimieren

Ein Zugausfall ist einerseits eine Standardsituation und dennoch eine Herausforderung für die Disponentinnen und Disponenten. Es wird immer versucht, die Auswirkungen für die Reisenden möglichst gering zu halten. Wie gut das gelingt, hängt davon ab, ob ein passendes Ersatzfahrzeug und geeignetes und befähigtes Fahrpersonal[i] zur Verfügung stehen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmens können hier nicht alleine agieren, denn ein Ersatzzug braucht einen neuen Fahrplan und bekommt ggf. eine neue Zugnummer. Er muss bereitgestellt und kommuniziert werden. Das geschieht in Zusammenarbeit mit dem Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen, also zumeist DB InfraGO AG.

Reserven aufbauen und nutzen

Den großen Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen stehen, um solche Situationen zu beherrschen, an zentralen Einsatzstellen oder großen Bahnhöfen ggf. (beschränkte) Reserven zur Verfügung, um tatsächlich Ersatzzüge verkehren zu lassen. Eine weitere oder alternative Möglichkeit besteht darin, einen Zug aus der Werkstatt zu holen, bei dem ggf. die Reinigung noch nicht durchgeführt oder bestimmte Qualitätsmängel noch nicht behoben wurden.

Die Ersatzzug-Lösung ist in der Regel die beste, allerdings, wie Sie wissen, auch nicht die wahrscheinlichste. Denn, wie bereits u.a. im Kapitel über die finanziellen Aspekte ausführlich beschrieben, sind Fahrzeug- oder Personalreserven im Gegensatz zur Bundesbahnzeit nun in Zeiten des Wettbewerbs und der knappen Kalkulationen kaum noch vorgesehen. Spielräume bestehen am ehesten noch an Wochenenden, Feiertagen oder in Tagesrandlagen.

Ursache für den Zugausfall beheben

Das Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen und/oder das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen kümmert sich umgehend darum, die Ursache des Zugausfalls zu beheben. Ziel ist es, dass möglichst geringe betriebliche Folgewirkungen entstehen und somit möglichst wenig Fahrgäste betroffen sind. Oft sind technische, Wetter- oder menschliche Einflüsse die Ursache für Zugausfälle. Anlassbezogen sind dann Notfallmanagement, Techniker, Reparaturteams, Disponenten und Bundespolizei in Einsatz.

Analysieren und Maßnahmenpläne erarbeiten

Ähnlich wie beim Thema Verspätungen trägt jedes Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen dafür Sorge, dass es die vorgesehenen Fahrten vollständig durchführt, denn damit verdient es sein Geld. Deswegen wird jeder Vorfall genau analysiert, wie es zu einem Zugausfall kommen konnte. Daraus werden Maßnahmen abgeleitet, um die Erfüllungsquote möglichst hochzuhalten.

Beispielsweise werden insbesondere Baustellenverkehre lange geplant und verhandelt, bevor ein Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen in ein Baustellenkonzept einwilligt, das Zugausfälle beinhaltet.

Auch bei Zugausfällen aufgrund technischer Defekte leitet das Eisenbahn-Verkehrs-Unternehmen eine intensive Ursachenforschung zusammen mit Hersteller, Fahrpersonal und Werkstatt ein. Das Ergebnis kann so aussehen, dass bestimmte anfällige Bauteile vorsorglich getauscht werden, dass bauliche Veränderungen erforderlich sind oder neue Software programmiert wird.

Die Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen arbeiten daran, dass die Verfügbarkeit der Strecken möglichst hoch ist. Der „Aktionsplan Vegetation“ der Bahn ist ein Beispiel dafür, die Verfügbarkeit der Infrastruktur zu verbessern. Es geht darum, dass Bäume bei Stürmen oder durch Schneebruch deutlich seltener auf die Gleise fallen und so für Zugausfälle sorgen. Auch der Runde Tisch beim Baustellenmanagement sorgt dafür, dass alle Interessen möglichst gut austariert werden, sodass unterm Strich möglichst wenige Fahrgäste von Zugausfällen betroffen sind.

Dies waren zwei (ältere) Beispiele – Vergleichbares gibt es immer wieder unter anderen Bezeichnungen, und aus projektähnlichen Aktionsplänen werden dann bestenfalls standardisierte Maßnahmen in der normalen Ablauforganisation.

Anmerkung

[i]             Die Worte „geeignet und befähigt“ bedeuten in diesem Zusammenhang insbesondere: Das Personal muss die Strecke und die Baureihe kennen, und es muss dienstplantechnisch und von den Arbeitszeiten her möglich sein.

So kommuniziert die Bahn auf dem Bahnsteig einen Zugausfall: Hier entfällt die Regionalbahn von Markt Erlbach, und in Folge auch die nächste Fahrt nach Markt Erlbach. Ob es einen Ersatzzug gibt oder eine alternative Verbindung wird hier nicht dargestellt, dazu dienen dann die Ansagen.
Eine Großstörung mit zahlreichen Zugausfällen im Fernverkehr. Es ist nicht wirklich vorhersehbar, ob überhaupt und wenn ja, welche Züge fahren werden. In solchen Fällen hilft die Verbindungsauskunft eher nicht weiter, da die Zahl der betroffenen Züge extrem groß ist und die Situation sich zusätzlich dynamisch entwickelt – d.h. sie kann sich beständig ändern. Das gilt dann auch für den Regionalverkehr. Verlässlich ist dann nur die Aussage, dass der Bahnverkehr an einem bestimmten Tag oder Uhrzeit oder Region eingestellt ist. Es könnte sein, dass kurz vorher bereits Züge nicht mehr fahren oder wider Erwarten doch noch, und das Gleiche gilt dann in den ersten Tagen, wenn der Betrieb wieder anläuft.
Bei derartigen Texten genau informieren – denn es ist wahrscheinlich, dass bei einer solchen Baustellensituation viele Züge ausfallen werden.
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